Wie man falsche Rubine nicht erkennt

Dass man nicht alles glauben kann, was im Internet verbreitet wird, ist ja eine Binsenweisheit.

Was wir aber neulich im Netz gefunden haben, schlägt dem Fass den Boden aus.

Unter der Überschrift "Erkennen ob ein Rubin echt ist" [sic, mit Beistrichen haben die es nicht so] wird auf wikihow ("Anleitungen denen du vertrauen kannst") derartig haarsträubender Unsinn verbreitet, dass einem die Luft wegbleibt. Lesen Sie selbst:

Erkenne es an der Farbe und am Glanz. Echte Rubine glänzen mit einem tiefen, lebhaften, beinahe "Ampel"-Rot. Falsche Edelsteine sind oftmals stumpf: Sie sind "hell, aber nicht strahlend". Falls der Edelstein eher dunkelrot ist, könnte es ein Granat anstelle eines Rubins sein. Falls es jedoch ein echter Rubin ist, solltest du wissen, dass dunklere Steine für gewöhnlich mehr wert sind als hellere.

Kommentar: nicht alle echten Rubine sind von tiefem, lebhaften Rot. Die Palette reicht von hellem Rosarot, im Übergang zu rosa Saphir, bis sehr dunkelrot und bräunlich rot.  Der Begriff Ampel-Rot ist hier übrigens völlig unangebracht. Wenn schon, dann spricht man im Handel von Taubenblutrot und auch dieser Begriff ist abzulehnen, weil er als Farbbeschreibung untauglich ist. Wie oft haben Sie schon Blut einer frisch geschlachteten Taube gesehen?

Dass falsche Edelsteine oftmals stumpf sind, stimmt so nicht. Zwar haben z.B. rote Granate nicht den gleichen harten Glanz wie Rubine, aber Granate sind keine "falschen" Edelsteine. Als "falsch" werden nur synthetische Steine bezeichnet. Synthetische Rubine haben jedoch die gleiche chemische Zusammensetzung und die gleichen physikalischen und optischen Eigenschaften wie echte Rubine und sind daher auch genauso "strahlend" wie diese.

Kommentar: konsistente und gleichmäßige Farbverteilung ist kein Hinweis auf Echtheit. Das Foto zeigt einen echten Rubin mit deutlich fleckiger Farbverteilung.

Dass Fälschungen eher Makel und unreine Stellen enthalten, ist blanker Unsinn. Zum einen sind die meisten Verneuil Rubine völlig gleichmäßig gefärbt und von sehr hoher Reinheit. Zum anderen zeigen auch die meisten echten Rubine "Makel" und "unreine Stellen". Augenreine Rubine sind ausgesprochen selten (und teuer), sodass Einschlüsse eher billigend in Kauf genommen werden, als bei vielen anderen Steinen.

Kommentar: Der Satz besagt, dass "leuchtende" Rubine wahrscheinlich Fälschungen sind. Abgesehen davon, dass es natürlich sehr wohl "leuchtende" echte Rubine gibt, wird der Aussage im nächsten Satz gleich widersprochen. Ein echter Rubin wird also nicht "tatsächlich leuchten", sieht jedoch eher aus, wie eine helle (leuchtende) Ampel...

Vergleiche den Rubin mit einer roten Glasscherbe. Rubine und andere Variationen von Saphiren werden oft aus Glas gefälscht. Falls sich das Glas und der Stein ähnlich sehen, hältst du womöglich nur zweite Stücke rotes Glas in der Hand! Es ist für Händler relativ üblich, Rubine aus einer Glasverbindung zu fälschen.

Kommentar: Rubin ist keine "Variation" von Saphir, sondern eine Varietät von Korund. Die Aussage "falls sich Glas und Stein ähnlich sehen" ist ziemlich schwammig. Natürlich sehen sich rotes Glas und Rubin etwas ähnlich, sonst könnte das Glas ja nicht als Rubinimitation dienen. Auf die Unterschiede zwischen Glas und Rubin und wie man diese feststellt, wird jedoch kein Wort verschwendet.
Außerdem verwahren wir uns auf das Schärfste gegen die Unterstellung, es sei für Händler relativ üblich (was immer das heißen mag), Rubine zu fälschen!
Nebenbei sei noch angemerkt, dass Händler nicht fälschen. Händler handeln, Fälscher fälschen - so weit, so klar?

Versuche, an der Oberfläche zu kratzen. Echte Rubine sind extrem harte Steine. Drücke einen Fingernagel oder eine Münze in die Oberfläche des "Rubins" und schaue, ob du ihn zerkratzen kannst. Falls der Rubin einen Kratzer aufweist, besteht die Wahrscheinlichkeit, dass es kein echter Rubin ist. Nur ein Diamant kann einen Rubin zerkratzen.

Kommentar: weder Fingernägel, noch Münzen sind hart genug, um Glas, Granat, Turmalin o.ä. zu ritzen, Der "Test" bringt also gar nichts. Im Umkehrschluss suggeriert der Text zudem, dass der Rubin echt ist, wenn er nicht mit dem Fingernagel oder einer Münze zerkratzt werden kann, was natürlich nicht stimmt. Außerdem könnte man auf die Idee kommen, den Test mit einem Diamanten durchzuführen. Das Ergebnis wäre in jedem Fall ein Kratzer. Bei Glas wäre der Schaden gering, aber würden Sie Ihren Rubin zerkratzen wollen?
Im Übrigen unterscheidet ein Ritztest echten nicht von synthetischem Rubin...

Kenne die Fälschungsarten. Zu den Steinen, die für gewöhnlich als Rubinimitationen verwendet werden, gehören, Granate, Turmaline, Glas und Verbundsteine.

Kommentar: in der Liste fehlt die wichtigste und gefährlichste Fälschung, der synthetische Rubin.

Untersuche den Rubin mit einem zehnfachen Vergrößerungsglas.
Rechne mit mikroskopisch kleinen Makeln. Halte nach mikroskopisch kleinen Makeln Ausschau, die für das bloße Auge ansonsten unsichtbar wären. Du solltest an einem echten Rubin ein paar kleine Unvollkommenheiten sehen. Falsche und im Labor hergestellte Rubine sind fast immer makellos, da die natürlichen Makel so winzig sind, dass sie extrem schwer nachzubilden sind.

Echt jetzt? Etwas weiter oben hieß es noch "Es ist wahrscheinlicher, dass Fälschungen Makel und unreine Stellen enthalten."
Die Aussage, dass im Labor hergestellte Rubine fast immer makellos sind, stimmt nur für die allerbilligsten und ungefährlichsten Rubinsynthesen, die nach der Verneuil Methode (siehe oben) hergestellt werden. Die wirklich gefährlichen Synthesen sind im Gegenteil nicht augenrein. Der Ehrgeiz der Hersteller geht vielmehr dahin, möglichst naturnahe Einschlüsse zu erzeugen, um die Unterscheidung von echten Steinen zu erschweren.

Die Behauptung, "natürliche Makel" seien so winzig, dass sie [im Labor] extrem schwer [richtig wäre: schwierig] nachzubilden sind, ist schlichtweg Unsinn. Einschlüsse in echten Rubinen sind beileibe nicht immer "so winzig" und die Schwierigkeit liegt weniger in der Größe bzw. Kleinheit begründet, sondern darin, dass es nicht leicht ist, natürlich aussehende Mineraleinschlüsse, Flüssigkeitsfahnen, Heilungsrisse o.ä. zu erzeugen.

Kommentar: die Aussage ist mit Vorsicht zu genießen. Zwar sind Gasblasen typisch für Glas und auch für Verneuil Synthesen (in Verneuil Rubinen allerdings deutlich seltener, als in Verneuil Saphiren) aber echte Korunde enthalten oft genug Mineraleinschlüsse, die von sogenannten Sprenghöfen umgeben sind. Das kann vom ungeübten Betrachter sehr leicht mit einer Gasblase verwechselt werden.

Sieh dir die Schnitte und Facetten des Rubins an. Die Komplexität der Rubinoberfläche ist nur unter einem zehnfachen Mikroskop sichtbar. Falls der Rubin abgerundet, gewalzt oder übermäßig glatt ist, ist er vermutlich ein gefälschter Edelstein. Der Stein könnte echt sein, wenn die Facette sauber, makellos und scharf geschnitten ist.

Kommentar: schlampig übersetzt von der englischen Originalseite. Statt "die Schnitte" sollte es heißen "den Schliff", "geschliffen" statt "geschnitten" und das englische "intricacies" wäre hier mit "Feinheiten" statt "Komplexität" besser getroffen. Wie man sich einen gewalzten Rubin vorstellen muss, erschließt sich mir allerdings auch nach dem Lesen des Originals nicht. Dort ist von "rolled ruby" die Rede, was immer das sein mag...

Tatsache ist, dass Glas aufgrund der geringeren Härte keine so scharfen Facettenkanten zeigt, wie Rubin, aber auch wie andere rote Edelsteine, die man mit Rubin verwechseln könnte. Unscharfe Facettenkanten sind also durchaus ein Hinweis auf Glas. Ob es sich bei dem Stein dann um echten Rubin handelt, ist damit aber noch nicht klar. Es könnte auch roter Spinell, Granat, Turmalin oder, nicht zu vergessen, synthetischer Rubin sein.

 

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Naja...