Winza Rubin – Geburt einer Legende

Im November 2007 wurden nahe der tansanischen Ortschaft Winza Rubine gefunden, die seither auf den internationalen Märkten für Furore sorgen.


Die Geschichte um die Entdeckung der neuen Rubine klingt wie ein Märchen und beginnt eigentlich schon in den 90er Jahren. Bereits damals soll ein mittlerweile verstorbener Bauer aus Winza auf seinem Land außerhalb des Dorfes Rubine gefunden haben. Heute erzählt man, dass der Alte die Steine heimlich schürfte und an einen Somali verkaufte, der die Steine auf regelmäßigen Reisen in die Hauptstadt Dar es Salaam weiterverkaufte.

Bevor der Somali vor nicht langer Zeit ebenfalls verstarb, rief er seinen Sohn zu sich, der als Wachmann in Dar es Salaam arbeitete, und verriet diesem das Geheimnis. Als der Sohn, ein gewisser Hr. Shabani, das heimliche Treiben fortsetzen wollte, wurde er unbemerkt verfolgt und das geheime Vorkommen flog auf.

Im Dezember 2007 waren in Winza 71 Fremde registriert, im Jänner waren es bereits ca. 700 und im Mai versuchten bereits 5-6000 Mineure ihr Glück.

Dazu kamen die Aufkäufer aus Thailand, Indien und Sri Lanka, die, weil in Tansania Ausländer die Minengebiete nur mit Genehmigung betreten dürfen, in der ca. 100km entfernten Stadt Mpwapwa ihre Zelte aufschlugen und dort die Rohsteine von tansanischen Zwischenhändlern, die per Motorrad zwischen Winza und der Stadt pendeln, kaufen.

Der Rohmaterialeinkauf ist übrigens ein besonders heikles Geschäft und zu den schwierigsten Aufgaben der asiatischen Händler gehört es, die zahllosen, geschickt auf Rohware getrimmten Synthesen zu entdecken. Man hat´s eben nicht leicht als Edelsteinhändler, aber das wissen regelmäßige Leser dieser Kolumne ja längst…

Wie dem auch sei, die neuen Rubine sind derzeit in aller Munde und die Gründe für die Aufregung sind vielfältig.

Da wäre zuerst die Farbe. Ein erstaunlich hoher Prozentsatz der gefundenen Steine zeigt ein herrliches, reines Rot, wie man es in anderen Lagerstätten kaum findet. Noch dazu müssen Winza Rubine nicht gebrannt werden, um ihre volle Farbenpracht zu entfalten.

Als nächstes sei die Reinheit erwähnt. Natürlich wird auch in Winza genügend Material gefunden, das sich bestenfalls für Cabochons eignet, aber die Ausbeute an reinen Steinen in Juwelenqualität sucht jedenfalls ihresgleichen.

Der dritte Superlativ betrifft die Größe. In Winza wurden in einem Jahr wahrscheinlich mehr Steine mit einem gewicht von über 10cts gefunden, als in allen anderen bekannten Lagerstätten zusammen.

Zur Untermauerung dieser zugegebenermaßen fast unglaublichen Behauptungen führe ich Hrn. Dr. Peretti vom Gemresearch Swisslab (GRS) an. Von insgesamt 592 im Jahr 2008 vom GRS untersuchten Winza Rubinen von feinster Qualität ("augenrein und von lebhafter roter Farbe") wogen 28 Steine mehr als 10cts und an mehr als 30 Steine wurde der GRS Platinum Award verliehen, was bedeutet, dass diese nach Meinung des GRS zu den schönsten Rubinen der Welt gehören.

Nicht schlecht, für ein nur eineinhalb Jahre altes Vorkommen!

Damit noch nicht genug, zeichnen sich die neuen Rubine auch noch durch ein absolut typisches Einschlussbild aus, das die Identifikation erheblich erleichtert. Hochtechnologie, wie z.B. Infrarot-Spektroskopie und Röntgenfluoreszenzanalysen werden wohl nur an augenreinen Exemplaren zur Anwendung kommen müssen.

So finden sich in vielen Exemplaren gebogene, haarförmige Einschlüsse, wie sie bisher aus keine anderen Lagerstätte bekannt sind und an denen sich die Synthesenhersteller hoffentlich viele Jahre lang die Zähne ausbeißen werden.

Ebenfalls lokaltypisch sind blaue Wachstumszonierungen, die in dieser Form bisher ebenfalls unbekannt waren.

Diese blauen Zonen haben übrigens einen angenehmen Nebeneffekt. Winza Rubine zeichnen sich durch sehr hohen Eisengehalt aus. Hoch eisenhaltige Rubine, wie z.B. auch Thai Rubine, zeigen nur sehr schwache Fluoreszenz aber leider auch oft eine unerwünschten Orange- oder sogar Braunkomponente. Man vermutet nun, dass die blaue Zonierung den Braunstich kompensiert und so die rein rote Farbe erzeugt.

Weiters finden sich häufig ganze Fahnen von Mehrphasen-Einschlüssen. Dabei handelt es sich um Hohlräume, die ihrerseits feste, flüssige und gasförmige Einschlüsse enthalten.

Und zu guter Letzt werden auch noch Liebhaber schön kristallisierter Mineraleinschlüsse, zu denen auch der Autor gehört, bedient. Zu den bisher identifizierten Einschluss-Kristallen zählen Pargasit, Spinell und orangefärbiger Granat.

Es bleibt zu hoffen, dass die Förderung nach einem Einbruch im Herbst 2008 wieder in Schwung kommt. Damals verließen viele Mineure das Gebiet, weil mit Pickel und Schaufel nichts mehr viel zu holen war und auch, weil in der Nähe Gold gefunden wurde. In der Zwischenzeit sollte aber schweres Gerät in Stellung gebracht worden sein, so dass einer Fortsetzung des Rubinrausches hoffentlich nichts mehr im Wege steht.


Interessierten Lesern sei noch folgende ausgezeichnete Publikation wärmstens empfohlen:

Winza Rubies Identified
Contributions to Gemology, No. 7 December 2008 Second Edition
Herausgeber:
Dr. Adolf Peretti, FGG, FGA, EurGeol
GRS Gemresearch Swisslab AG
Postfach 4028
CH 6002 Luzern
adolf@peretti.ch
Bezugsquelle:
GRS (Thailand) Co., Ltd
257/919 Silom Rd. JTC Building
Bangkok 10500, Thailand

Sehr lesenswert ist auch ein von dem renommierten Gemmologen Vincent Pardieu veröffentlichter Internet-Artikel:

http://www.fieldgemology.org/Gemology%20tanzania%20ruby%20sapphire%20dodoma%20mpwapwa%20winza.php

Die Veröffentlichung sämtlicher Bilder (copyright Dr. Adolf Peretti) erfolgt mit freundlicher Genehmigung von Dr. Peretti, dem ich an dieser Stelle nochmals herzlich danke.