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edelstein lexikon

Rubin

Rote Varietät des Minerals Korund.

Rubin im Shop

Namensherkunft: von lateinisch ruber, rot

Synonyme und Handelsnamen: keine, allerdings gibt es eine Unzahl von irreführenden Handelsnamen für andere rote Edelsteine, die den Begriff "Rubin" enthalten und so den Namensträger, zumeist Granate, adeln sollen.

Einige Beispiele:
Adelaide Rubin: Almandin Granat aus Adelaide, Australien
Amerikanischer Rubin: Pyrop Granat oder Rosenquarz
Arizona Ruby: Pyrop Granat aus Arizona, USA
Balas Rubin: alte Bezeichnung für roten Spinell
Colorado Rubin: Pyrop Granat
Kaprubin: Pyrop aus der Kap-Provinz, Süd Afrika
Böhmischer Rubin: Pyrop Granat aus der Umgebung von Karlsbad
Mont Blanc Rubin: Rosenquarz
San Diego Rubin: Rubellith (roter Turmalin) aus San Diego, Kalifornien, USA
Sibirischer Rubin: Rubellith (roter Turmalin) aus Russland

Verwechslungsmöglichkeiten: mit vielen anderen roten Steinen, sowie mit Synthesen und Glas.
Aus Burma (Myanmar) und Vietnam kommen rote Spinelle in der Farbe von feinem Burmarubin.

Die Unterscheidung von anderen natürlichen Edelsteinen ist aufgrund der deutlich unterschiedlichen optischen Eigenschaften – Spinell und Granat sind einfachbrechend, Turmalin deutlich stärker doppelbrechend – in der Regel sehr einfach.

Unterscheidung von Synthesen:
Am häufigsten sind sogenannte Verneuil Rubine. Nach dem bereits 1902 patentierten Verfahren werden seit 1904 sehr billige Rubinsynthesen in Massenproduktion erzeugt.
Der häufig gehörte Kundeneinwand, "Aber der Ring ist von meiner Uroma" ist somit kein Hinweis auf Echtheit.
Verneuil Rubine (und Saphire) sind in der Regel für den Fachmann leicht zu erkennen.

synthetischer rubin verneuil
Verneuil Synthese, als Cabochon sehr selten
Üblicherweise werden synthetische Rubine facettiert

Bei allen anderen synthetischen Rubinen und Saphiren, die mit sehr aufwändigen und kostspieligen Methoden gezüchtet werden, reichen Lupe und Erfahrung oft nicht zur Identifizierung. Zumeist führt sorgfältiges Studium der Einschlüsse zum Erfolg, sehr selten findet man aber Steine, wo moderne Hochtechnologie z.B. Elementenanalyse mittels Röntgendiffraktion, Raman-Spektroskopie o.ä. herangezogen werden muss.

Die gute Nachricht: die Gefahr, auf eine hochwertige Rubin- o. Saphirsynthese hereinzufallen, hat sich in den letzten Jahren deutlich verringert. Aufgrund der enormen Kosten und wahrscheinlich mangelnden wirtschaftlichen Erfolgs, haben etliche Hersteller die Produktion bzw. den Betrieb eingestellt.

"Genfer Rubin"
, die erste Edelstein-Synthese
Aufgrund seines hohen Werts gehört Rubin zu den am häufigsten synthetisierten und imitierten Steinen. Die frühesten synthetischen Edelsteine waren die sogenannten "Genfer Rubine", die bereits im Jahr 1885 erzeugt und von einem Händler aus Genf als echte Rubine verkauft wurden.
1886 ließen Pariser Juweliere einige dieser Steine an der Sorbonne untersuchen. Ein gewisser Professor F. Friedel stellte fest, dass die Genfer Rubine die gleiche Dichte, Härte und optischen Eigenschaften wie natürliche Rubine aufwiesen. Unter Vergrößerung bemerkte er aber auch zahlreiche Gasblasen, wie sie für Glas typisch sind, und schloss richtigerweise daraus, dass die Steine durch einen Hochtemperatur-Schmelzprozess erzeugt worden waren.
Nachdem entschieden worden war, dass Genfer Rubine bei Strafe nicht als natürliche Rubine bezeichnet und verkauft werden durften, wurde behauptet, dass die Steine zwar durch einen Flammschmelzprozess erzeugt wurden, dass als Ausgangsmaterial jedoch Fragmente dienten, die beim Schleifen von echten Rubinen anfielen.

In der Folge wurden Genfer Rubine als "rekonstruierte Rubine" fast zwanzig Jahre lang zu Preisen von $25 bis $40 per Carat verkauft, bis sie schließlich 1904 durch die weit überlegenen Verneuil Synthesen vom Markt verdrängt wurden.

Wo und von wem diese Steine erzeugt wurden, ist bis heute nicht geklärt. In seinem 1980 erschienenen Standardwerk "Gems Made by Man" wies Dr. Kurt Nassau nach, dass Genfer Rubine in einem mehrstufigen Prozess erzeugt wurden, der als Vorläufer des Verneuil-Verfahrens gelten kann.

Vorkommen: Die berühmtesten Rubinvorkommen liegen im Gebiet um Mogok in Burma, heute Myanmar.

burma rubin rubyburma rubin rubyburma rubin ruby
burma rubin rubyburma rubin rubyburma rubin ruby
Einige Burma Rubine von feiner Qualität

Ein weiteres wichtiges Vorkommen liegt in Vietnam. Aufgrund der sehr ähnlichen Lagerstättengeologie sind die Steine, zumindest bei oberflächlicher Betrachtung, kaum von Burmarubinen zu unterscheiden. Allerdings haben Anfang der 1990er Jahre die Betrügereien mit synthetischen Steinen, auch Rohsteinen, derart zugenommen, dass sich viele Händler, vor allem aus Thailand, wo die meisten Steine geschliffen und gehandelt wurden, aus dem Vietnam-Geschäft wieder zurückzogen und so spielen vietnamesische Rubine derzeit im Handel keine große Rolle.

Sri Lanka liefert ebenfalls seit Jahrhunderten Rubine, die meist von hellerem Ton und deutlich rosastichig sind.

ceylon rubin (sri lanka) - ceylon (sri lanka) ruby
"Ceylon" Rubin

Rubine aus Thailand, im Handel nach wie vor als "Siam" Rubine bezeichnet, werden in sehr eisenhaltigem Basalt gefunden. Der höhere Eisengehalt verleiht diesen Steinen zumeist einen unerwünschten Braunton, was sie schwierig zu verkaufen macht.

Thai Rubin - Thai Ruby
Thai Rubine in unterschiedlichen Farbtönen
Der mittlere Steine wiegt 20.85cts!

Die mit Abstand wichtigsten Rubinlagerstätte auf dem afrikanischen Kontinent liegen im Norden Mosambiks, in der Provinz Cabo Delgado.

Manche der dort gefundenen Steine erscheinen bei Tageslicht etwas "schläfrig". Bei Kunstlicht hingegen stellen sie die berühmten Burmarubine oft in den Schatten. Wo letztere häufig einen deutlichen Rosa-stich zeigen, erstrahlen die Rubine aus Mosambik in leuchtendem, reinen Rot.

rubin ruby mosambik mozambiquerubin ruby mosambik mozambique

Es werden jedoch auch Rubine gefunden, die bei allen Lichtverhältnissen feine Farbe zeigen und dies sogar ohne sie einer Hitzebehandlung zur Farbverbesserung zu unterziehen.
rubin mosambik ruby mozambiquerubin mosambik ruby mozambique
Unbehandelte Rubine aus Mosambik

Darüber hinaus gibt es einige weitere Rubinlagerstätten in Afrika, allerdings nur wenige, die wirklich gute Qualitäten liefern.

Rubin Tansania - Rzuby Tanzania
Unbehandelter Rubin aus Tansania
gefunden 1987

Rubin Schnitzerei - Ruby carving
Drei Blätter, in Indien aus afrikanischem Rubin geschnitzt

Die spektakulärsten afrikanischen Rubine stammten zweifellos aus eine erst 2007 entdeckten Lagerstätte nahe der tansanischen Ortschaft Winza. Die Farbe dieser Rubine bedurfte keinerlei Verbesserung, allerdings haben sich die Hoffnungen auf Nachhaltigkeit scheinbar nicht erfüllt. Nach unserem derzeitigen Kenntnisstand (Sommer 2010) liefert die Lagerstätte nicht mehr.

Auch Malawi liefert gelegentlich Steine in feiner Qualität, aufgrund der geringen Menge spielen diese aber im Handel keine große Rolle.

Schlussendlich erwähnt sei Kenya. Mehrere Lagerstätten liefern große Mengen an Rubinen von zumeist sehr schlechter Qualität. Vieles davon wird zu billigen Cabochons geschliffen.

Rubin Cabochon aus Kenya - Ruby cabochon from Kenya

Oft im Handel zu finden ist ein rot, grün und schwarz gefärbtes Rubin/Zoisit/Amphibol Gemisch, das ebenfalls zu Cabochons, öfter jedoch zu kleinen Figuren und ähnlich geschmackvollem Zierrat geschnitzt wird.



Qualitätskriterien

Im Großen und Ganzen gelten die gleichen 4C (cut, colour, clarity und carat) wie bei Diamanten, jedoch mit einem gravierenden Unterschied.

Bei den meisten Farbsteinen ist der

Schliff
von höchster Bedeutung, weil der Schleifer mit einem perfekten Schliff sogar aus blassem Rohmaterial ein funkelndes Juwel zaubern kann. Andererseits kann er das beste Material durch schlechten Schliff verderben.
Beim Rubin ist man, was den Schliff betrifft, wesentlich toleranter. Selbst deutlich zu flach geschliffene Steine, die kaum Brillanz zeigen, werden akzeptiert, sofern die Farbe gut genug ist.
Womit wir beim wichtigsten C des Rubins wären, der

Farbe
Hier zeigt sich der Markt wesentlich strenger, als bei anderen Steinen. In der Regel kommen Edelsteine in verschiedenen Farbtönen vor. Welche davon als ideal empfunden und am teuersten bezahlt werden, ist dem persönlichen Geschmack und zum Teil auch der Mode unterworfen. So waren z.B. in viktorianischer Zeit grünliche Aquamarine teurer als blaue und bei blauen Saphiren hat sich der Publikumsgeschmack in den letzten zwanzig Jahren deutlich zu etwas helleren Farbtönen verschoben.

Nicht so beim Rubin. Das berühmte Taubenblutrot, also ein möglichst reines, leuchtendes Rot, ist seit Jahrhunderten die begehrteste und teuerste Farbe und jeder Braun- oder Rosastich wird mit Wertminderung bestraft.

Reinheit
Für die Reinheit gilt das gleiche, wie für den Schliff. Solange die Farbe gut genug ist, werden Einschlüsse eher billigend in Kauf genommen, als bei anderen Farbsteinen. Selbstverständlich sinkt mit der Reinheit auch der Preis, aber anders als bei z. B. Saphir sind selbst trübe Steine nicht völlig unverkäuflich.

Ebenfalls von höherer Wertigkeit als bei vielen anderen Farbsteinen ist die

Größe
Es gibt kaum einen anderen Stein, dessen Preis mit der Größe derart rasant steigt und im Unterschied zu den meisten anderen Steinen gilt ein Rubin bereits mit 2cts als relativ groß.
Der 8.62 karätige Rekordrubin (siehe unten: Wissenswertes) hätte als Einkaräter wohl höchstens 5.000 Dollar erzielt…

Thermische Behandlung
Geschätzte 99% aller Rubine und Saphire werden thermisch farbverbessert. Die Kunst, Edelsteine zu "brennen" ist fast so alt, wie der Edelsteinhandel selbst und wird erstmals nachweislich von Plinius (23-79 v. Chr.) in dessen Monumentalwerk Historia Naturalis erwähnt.

Durch das Brennen kann man unerwünschte Braun- u. Blautöne verbessern oder völlig verschwinden lassen.

Diese Verbesserungen sind dauerhaft und können nicht rückgängig gemacht werden, d.h. die Farbe verändert sich nicht bei z.B. UV Einstrahlung.

Die Behandlung ist legitim, unterliegt aber laut CIBJO einer allgemeinen Auszeichnungspflicht.

Ab einer gewissen Größe und Qualität erzielen nachweislich nicht gebrannte einen deutlich höheren Preis. Diese Steine werden heutzutage so gut wie immer mit einem international renommierten Zertifikat geliefert.

Bei "Kommerzware" wird (noch?) kein Preisunterschied zwischen gebrannten und naturfärbigen Steinen gemacht.

Glasgefüllte Rubine: seit geraumer Zeit wird der Markt mit glasgefüllten "Rubinen" überschwemmt. Als Ausgangsmaterial dient minderwertiger, sehr rissiger Rubin, zumeist aus Madagaskar. Die Risse werden mit Bleiglas gefüllt, was die Transparenz geradezu dramatisch verbessert.
Selbstverständlich muss diese Behandlung deklariert werden, was leider in sehr vielen Fällen nicht oder nur unvollständig geschieht. Einen glasgefüllten Rubin lediglich als "behandelt" zu bezeichnen, ist irreführend und grenzt unserer Meinung nach an Betrug.

Achtung: wir warnen ausdrücklich vor derartigen "Rubinen", seien sie auch noch so billig. Viele dieser Steine enthalten tatsächlich mehr Glas als Rubin. Es wurden bereits Glasgehalte von bis zu 70% festgestellt. Eigentlich müsste man in solchen Fällen von Glas mit Rubingehalt sprechen. Einige gemmologische Labors bezeichnen Steine mit übermäßig hohem Glasgehalt bereits als "Kompositsteine".
Hinzu kommt, dass Tests ergeben haben, dass die Glasfüllungen mitunter kein langes Leben haben. Bereits Zitronensaft reicht aus, um die Füllung anzugreifen...

rubin glasgefüllt - glassfilled rubyrubin glasgefüllt - glassfilled ruby
rubin glasgefüllt - glassfilled rubyrubin glasgefüllt - glassfilled ruby
einige glasgefüllte Rubine mit bis zu 8cts

Verarbeitung: aufgrund der überaus großen Härte und der fehlenden Spaltbarkeit sind Rubine in der Regel sehr gut zu verarbeiten.
Allerdings sollten Rubine nicht ins Feuer genommen werden. Zum einen, weil bei höheren Temperaturen Farbveränderungen auftreten können, zum anderen, weil Korunde meist Flüssigkeits- u. Mineraleinschlüsse enthalten, die höhere Ausdehnungskoeffizienten als der Wirtskristall aufweisen. Bei Erhitzung dehnen sich diese Einschlüsse stärker aus, was zu Rissbildung oder sogar Zerstörung führen kann.

Wissenswertes
: Rubin ist der unumstrittene Superstar unter den Farbedelsteinen.
Im Februar 2006 erzielte Christie´s den sagenhaften Preis von 425.000,00 Dollar per Carat für einen 8.62 karätigen Burmarubin und zertrümmerte damit den nur ein Jahr vorher aufgestellten Rekord von "nur" 275.000,00 Dollar per Carat, ebenfalls gezahlt für einen Achtkaräter aus Burma.

Rubin im Shop

Gemmologische Eigenschaften von Rubin
Formel
Al2O3
Kristallsystemtrigonal
Mohshärte9 (Referenzstein)
Dichte3,99 bis 4,1
Brechungsindexdoppelbrechend 1,759-1,772
Max. Doppelbrechung0,008 bis 0,009
Dispersion0,018
Pleochroismusdeutlich, gelblich rot/dunkelrot
Luminiszenzstark rot
GlanzGlasglanz bis Diamantglanz
Spaltbarkeitkeine
Bruchmuschelig, splitterig
Farbeverschiedene Rottöne
 


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